ICH BIN DER ICH BIN
Die temporäre Kunstaktion „ICH BIN DER ICH BIN“ an der Fassade von The Limelight Collective zielt darauf ab, die Betrachter auf mehreren Ebenen anzusprechen und zu einer Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen einzuladen.
Zum einen greift der biblische Schriftzug in gelb-schwarzer Farbgebung die postmoderne Suche nach Identität auf und stellt sie in Relation zur Selbstoffenbarung Gottes gegenüber Mose im brennenden Dornbusch. Die Wahl der Farben und der individuellen Pinselstrichgestaltung der überdimensionalen Buchstaben verweisen auf die Dreifaltigkeit Gottes und die Unzulänglichkeit menschlicher Aussagen, das göttliche Wesen vollständig zu erfassen.
Zum anderen fungiert die Installation als provokative Intervention, die absolute Wahrheitsansprüche in einer Zeit des allgemeinen Hinterfragens erhebt. Sie lädt die Betrachter ein, sich mit der Existenz eines höheren Wesens auseinanderzusetzen, das sich selbst als „Ich bin der ich bin“ definiert und damit jegliche menschliche Relativierung übersteigt.
Nicht zuletzt thematisiert das Werk die in der Kunstszene ambivalent gewordene Beziehung des Menschen zu Gott und setzt sie in Relation zu Gottes Beziehung zum Menschen. Obwohl die Geschichte der Kirche von Missverständnissen und Leid durch absolut gesetzte Gottesbilder geprägt ist, entscheidet sich Gott nach wie vor dafür, sich durch menschliche Vermittlung zu offenbaren – mit allen Risiken des Missverstehens.
Durch die temporäre Natur der Installation inmitten einer Gebäuderenovierung wird zudem signalisiert, dass Gott weiterhin lebendig und gegenwärtig in der Welt wirkt, auch wenn seine Offenbarung bruchstückhaft bleibt.
